FAQ

Ganzheitliche Behandlung und Zusammenarbeit

In der modernen Kieferorthopädie ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen unerlässlich, um optimale Ergebnisse für unsere Patienten zu erzielen. Eine interdisziplinäre Behandlung berücksichtigt nicht nur die zahnmedizinischen, sondern auch die funktionellen, ästhetischen und gesundheitlichen Bedürfnisse des Patienten. Wir arbeiten eng mit Zahnärzten, Oral- und Kieferchirurgen, Logopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen und HNO-Ärzten zusammen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Zahnärzte sind oft der erste Ansprechpartner für Patienten, die kieferorthopädische Behandlung benötigen. Eine enge Kooperation zwischen Kieferorthopäden und Zahnärzten ermöglicht eine präzise Diagnose und Behandlung. Insbesondere bei der Vorbereitung auf eine kieferorthopädische Behandlung – wie zum Beispiel bei der Therapie von Karies oder Parodontalerkrankungen – ist die Zusammenarbeit entscheidend, um den Behandlungserfolg zu sichern und mögliche Komplikationen zu vermeiden.

In komplexeren Fällen, wie etwa bei Fehlstellungen, die eine operative Behandlung erfordern, arbeiten wir Hand in Hand mit Oral- und Kieferchirurgen. Diese Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn eine chirurgische Korrektur notwendig ist, um die Funktion und Ästhetik des Kiefers dauerhaft zu verbessern. Nach einem chirurgischen Eingriff unterstützt die kieferorthopädische Behandlung den Heilungsprozess und sorgt dafür, dass das Endergebnis optimal ist.

Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers können Auswirkungen auf die Sprachentwicklung und Aussprache haben. Logopäden spielen eine wichtige Rolle bei der Therapie von Sprach- und Schluckstörungen, die durch kieferorthopädische Probleme verursacht werden. Wir arbeiten mit Logopäden zusammen, um die Sprach- und Schluckfunktion zu verbessern und den Patienten zu helfen, nach der Behandlung sowohl funktionell als auch ästhetisch zu profitieren.

In vielen Fällen können funktionelle Störungen des Kiefers, wie etwa eine Fehlhaltung des Kiefergelenks, zu Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen. Physiotherapeuten können helfen, diese Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit des Kiefergelenks zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten ermöglicht es uns, ein umfassendes Behandlungskonzept zu entwickeln, das die Funktionalität des Kiefers optimiert und die Lebensqualität des Patienten steigert.

Osteopathen unterstützen die Behandlung durch manuelle Techniken, die das Gleichgewicht und die Beweglichkeit des Körpers fördern. Diese Zusammenarbeit ist besonders hilfreich, wenn Patienten Beschwerden wie Kiefergelenkschmerzen oder Verspannungen im Bereich des Halses und Nackens haben, die mit einer Fehlstellung des Kiefers zusammenhängen können. Durch die Kombination von Kieferorthopädie und Osteopathie können wir eine ganzheitliche Behandlung anbieten, die auch die muskuläre und strukturelle Gesundheit des Körpers berücksichtigt.

HNO-Ärzte spielen eine wichtige Rolle, wenn es um Atemprobleme oder Schlafstörungen geht, die durch eine falsche Kieferstellung oder Zahnfehlstellungen verursacht werden können. Besonders in Fällen von Schlafapnoe oder Atemwegsverengungen arbeiten wir mit HNO-Ärzten zusammen, um die bestmögliche Lösung zu finden – sei es durch eine kieferorthopädische Behandlung oder durch die Integration anderer medizinischer Maßnahmen.

Für Patientinnen und Patienten mit wiederkehrenden Kiefer-, Kopf- oder Nackenschmerzen,
Geräuschen im Kiefergelenk, eingeschränkter Mundöffnung, Zähneknirschen oder Schmerzen beim Kauen.

Warum beteiligt sich die Krankenkasse nicht immer an den Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung?

Viele Zahn- und Kieferfehlstellungen sind medizinisch sinnvoll zu behandeln, um Kauen, Sprechen, Atmen oder die Zahn- und Kiefergesundheit langfristig zu verbessern. Trotzdem übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten nicht in allen Fällen. Das liegt nicht an der Einschätzung der Ärztin oder des Arztes, sondern an einer gesetzlich festgelegten Einstufung, den sogenannten Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG).

Die KIG-Stufen teilen Zahn- und Kieferfehlstellungen nach ihrem Schweregrad ein:
Je höher die Stufe, desto ausgeprägter die Fehlstellung.

KIG-Stufe 1-2

  • Leichte bis mittlere Fehlstellung
  • Keine Kostenübernahme (private Behandlung)

KIG-Stufe 3-5

  • Ausgeprägte bis schwere Fehlstellung
  • Kostenübernahme möglich (nach Bewilligung)

Die KIG-Einstufung gilt bei Kindern und Jugendlichen nur bei Behandlungsanfang vor dem 18 Lebensjahr. D.h. eine KIG-Einstufung von 3-5 bei Patienten über 18 Jahre führt nicht zu einer Beteiligung der gesetzlichen Krankenkasse an den Kosten der kieferorthopädischen Behandlung.

Es gibt Fälle, in denen die Behandlung medizinisch notwendig ist –
aber gesetzlich nicht übernommen werden darf.

Das bedeutet:

  • Die Behandlung ist medizinisch sinnvoll und empfehlenswert.
  • Die Krankenkasse darf laut Gesetz die Kosten nicht übernehmen,
    solange die Fehlstellung unterhalb der festgelegten KIG-Grenze liegt.

Kurz gesagt:
„Nicht alles, was medizinisch notwendig ist, darf von der Krankenkasse bezahlt werden.“

Beispiel 1 – KIG 2:
Ein Kind hat engstehende Zähne, die sich schwer reinigen lassen.
Das kann langfristig zu Karies oder Zahnfleischproblemen führen.
→ Eine Behandlung ist medizinisch sinnvoll.
→ Aber: Die Fehlstellung gilt noch als nicht schwer genug nach KIG-Richtlinien → keine Kostenübernahme.

Beispiel 2 – KIG 4:
Ein Kind hat einen deutlichen Kreuzbiss oder offenen Biss.
→ Medizinisch notwendig und von der Krankenkasse übernahmefähig.

Auch wenn keine Kostenübernahme möglich ist,
empfehlen wir, die Behandlung ernst zu nehmen, um spätere Schäden oder aufwendigere Therapien zu vermeiden.

Wir informieren Sie gerne über:

  • die medizinischen Gründe für die Behandlung,
  • die voraussichtlichen Kosten,
  • und mögliche Finanzierungs- oder Ratenzahlungsoptionen.

Wir möchten, dass Sie genau verstehen, warum eine Behandlung medizinisch notwendig sein kann, auch wenn die Krankenkasse sie nicht bezahlt.

Wir beraten Sie gern individuell und transparent.
Fragen Sie uns – wir nehmen uns Zeit für Sie.

Notfallratgeber für Patienten mit Zahnspange

Auch während einer kieferorthopädischen Behandlung kann es einmal zu kleinen Problemen oder Beschwerden kommen.
Die meisten Situationen sind kein echter Notfall, können aber zu Hause vorübergehend selbst versorgt werden, bis Sie in die Praxis kommen.

  • Wachs (aus der Praxis) immer griffbereit haben
  • Herausnehmbare Geräte stets in der Spangenbox aufbewahren
  • Niemals eigenmächtig an der Apparatur manipulieren
    Im Zweifel lieber kurz anrufen – wir helfen schnell und unkompliziert
  • Wenn die Praxis nicht besetzt ist, den zahnärztlichen Notdienst aufsuchen
Symptome: Bracket wackelt, hängt am Draht oder hat sich ganz gelöst.
Was tun:

  • Wenn das Bracket noch am Draht hängt, bitte nicht abreißen.
  • Versuchen Sie, es vorsichtig in Position zu schieben und mit Schutzwachs (aus der Praxis) oder alternativ zuckerfreiem Kaugummi zu fixieren.
  • Wenn es komplett abgefallen ist, sicher aufbewahren und zum nächsten Termin mitbringen.
  • Praxis kontaktieren, um ggf. einen kurzfristigen Reparaturtermin zu vereinbaren.
Symptome: Verletzung an Wange, Lippe oder Zunge durch scharfes Drahtende.
Was tun:

  • Drahtende mit Schutzwachs (aus der Praxis) oder alternativ zuckerfreiem Kaugummi abdecken
  • Praxis kontaktieren, damit der Draht gekürzt werden kann.
Symptome: Der Draht ist am Ende aus dem Bracket gerutscht.
Was tun:

  • Falls möglich, den Draht mit einer Pinzette wieder einführen.
  • Wenn nicht möglich: Drahtende mit Wachs abdecken.
  • Praxis kontaktieren, damit der Draht korrekt neu eingesetzt wird.

Symptome: Druckgefühl, empfindliche Zähne, leichte Schmerzen nach Termin.
Was tun:

  • Leichte Beschwerden sind normal und verschwinden nach 2–3 Tagen.
  • Weiche Kost (Suppen, Püree, Nudeln) und ggf. leichte Schmerzmittel helfen.
  • Wenn die Schmerzen stärker werden oder länger anhalten, bitte Praxis informieren.
Was tun:

  • Gerät nicht eigenständig verändern oder abschleifen!
  • Tragezeit vorübergehend etwas reduzieren, aber nicht ganz pausieren.
  • Praxis kontaktieren – meist reicht ein kleiner Schliff oder eine Anpassung.
Mögliche Ursachen: unregelmäßiges Tragen oder Zahnbewegung.
Was tun:

  • Nicht erzwingen!
  • Gerät sauber in der Box aufbewahren und baldmöglichst Termin vereinbaren. Längere Nicht-Tragezeit kann die Behandlung zurückwerfen.
Was tun:

  • Nicht selbst entfernen oder kürzen!
  • Betroffene Stelle nicht mit der Zunge drücken, sondern mit Schutzwachs abdecken.
  • Möglichst bald Termin vereinbaren, um ein Verrutschen der Zähne zu verhindern.
Was tun:

  • Schutzwachs auf die störende Stelle auftragen
  • Mundspülung mit Kamillenextrakt oder chlorhexidinhaltiger Lösung
  • Bei Bedarf: Mundgel
  • Praxis kontaktieren
Echte kieferorthopädische Notfälle

Bitte sofort Kontakt mit der Praxis aufnehmen oder – außerhalb der Sprechzeiten – den zahnärztlichen Notdienst aufsuchen bei:

  • Starken Schmerzen, die nicht mit Schmerzmitteln beherrschbar sind
  • Offener Wunde, die stark blutet oder anschwillt
  • Akuter Entzündung mit Fieber, Schwellung oder Eiterbildung
  • Unfall / Trauma mit gelockerten oder abgebrochenen Zähnen

Zentrales zahnärztliches Notfallbereitschaftstelefon:

05468 8067777 (Kreis Bersenbrück)

Pflege und Mundhygiene

Eine kieferorthopädische Behandlung sorgt für ein schönes und gesundes Lächeln – aber nur, wenn die Pflege stimmt. Während der Behandlung ist gründliche Mundhygiene besonders wichtig, denn Brackets, Drähte und Apparaturen bieten kleine Nischen, in denen sich Beläge und Bakterien ansammeln können. Eine regelmäßige Reinigung schützt nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch und den Zahnhalteapparat.

Merksatz: „Nur saubere Zähne bleiben gesund und gesunde Zähne bleiben schön gerade!“

  • Zähneputzen nach jeder Mahlzeit, mindestens 3× täglich
  • Verwendung einer speziellen orthodontischen Handzahnbürste oder elektrischen Zahnbürste mit Ortho-Aufsatz
  • Tägliche Reinigung der Zwischenräume mit Interdentalbürsten
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR) alle 3–6 Monate empfohlen
  • Zähne oberhalb und unterhalb der Brackets gründlich putzen
  • Mit Interdentalbürstchen den Raum zwischen Brackets und Draht reinigen
  • Zahnfleischrand sanft massieren, um Entzündungen vorzubeugen
  • Harte oder klebrige Lebensmittel (z. B. Nüsse, Karamell, Kaugummi, harte Brotkrusten)
  • Zuckerhaltige Snacks und Getränke
  • Das Kauen auf Gegenständen wie Stiften oder Fingernägeln
  • Äpfel und Karotten (nur zerkleinert essen)

Wenn sich ein Bracket löst oder ein Draht sticht, bitte umgehend die Praxis kontaktieren.
Kontrolltermine sollten regelmäßig wahrgenommen werden, um Schäden zu vermeiden.

  • Vor dem Essen immer die Zahnspange herausnehmen
  • Nach dem Essen: Zähne gründlich putzen und die Spange mit einer Zahnbürste sowie lauwarmem Wasser reinigen
  • Kein heißes Wasser verwenden (Verformungsgefahr)
  • Gerät anschließend trocken in der Spangenbox aufbewahren
  • In der Regel 14–16 Stunden täglich (nachts und nachmittags)
  • Bei Schraubgeräten: Aktivierung nach ärztlicher Anweisung
  • Bei Druckstellen oder Passungsproblemen sofort Rücksprache mit der Praxis halten
  • 3× täglich gründlich putzen
  • Keine harten oder klebrigen Speisen
  • Herausnehmbare Apparaturen täglich reinigen
  • Retainer regelmäßig kontrollieren
  • Kontrolltermine unbedingt einhalten